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pastbuy.net hat in den vergangenen Jahren viele historisch bedeutende Objekte versteigert und vermittelt. Einige dieser Objekte waren Gegenstand von Presseberichten.

"Treffer auf Treffer" - die letzten Tage der Bismark

Marinegeschichten

Von Jan Heitmann


Bisher verschollene Dokumente zeichnen die Lage an Bord des Schlachtschiffes vor dessen Untergang am 27. Mai 1941 auf dramatische Weise nach.

"Außerordentlich starke Detonation auf 'Hood'. Hohe Säule von Eisenteilen wird sichtbar. Eine schwere schwarze Rauchwolke hüllt das Schiff ein, das schnell über das Heck absinkt und sich dabei um 180 dreht. Somit ist der Schlachtkreuzer ,Hood' fünf Minuten nach Gefechtsbeginn im Artilleriekampf vernichtet." So liest sich in der nüchternen Sprache des Kriegstagebuchs (KTB) der Untergang des seinerzeit größten Kriegsschiffes der Welt. Getroffen von Artilleriegranaten des deutschen Schlachtschiffes "Bismarck" versinkt der britische Schlachtkreuzer am 24. Mai 1941 in der Dänemarkstraße und reißt 1416 Mann mit in die Tiefe. Nur drei von ihnen überleben.

Festgehalten wurde die Tragödie im KTB der siegreichen "Bismarck", die drei Tage später ebenfalls ihr Schicksal ereilte. Eine wichtige Quelle zu den Geschehnissen und der Stimmung an Bord des deutschen Flaggschiffes sind auch die Aussagen von fünf Überlebenden, die von deutschen Einheiten geborgen wurden. Diese lange verschollenen Unterlagen geben einen Eindruck von der menschlichen Tragödie an Bord.

Am 18. Mai 1941 war die "Bismarck" von Gotenhafen zu ihrer ersten Unternehmung in den Nordatlantik ausgelaufen: Mit dem Schweren Kreuzer "Prinz Eugen" soll sie hier Handelskrieg führen - unter Führung des Flottenchefs Admiral Günther Lütjens, der sich mit seinem Stab eingeschifft hat.

Am 23. Mai 1941 um 19.22 Uhr heißt es: "Alarm. In Richtung 340 ein Schatten." Kurz darauf kommt es in der Dänemarkstraße zum ersten Gefecht. Die deutschen Schiffe nebeln sich ein und lösen sich vom Feind. Kapitän zur See Ernst Lindemann, Kommandant der "Bismarck", vermutet ein zufälliges Zusammentreffen. In sein KTB notiert er: "Operativer Einsatz feindlicher Seestreitkräfte bisher nicht erkennbar geworden."

In den frühen Morgenstunden des 24. Mai dann erneut "Alarm. Kreuzer kommt von achtern auf." Um 5.43 Uhr notiert Lindemann für das KTB: "Weitere Einheit an Backbord. Später als ,Hood' festgestellt." Und sieben Minuten später: ",Hood' und ,Prince of Wales' vereinigen sich und laufen mit Höchstfahrt in sehr spitzer Lage auf den Verband zu. Feuer eröffnen durch ,Hood' und ,Prince of Wales'. Feuer eröffnen auf ,Hood'. Feuervereinigung mit ,Prinz Eugen' auf das gleiche Ziel. In Höhe vor dem achteren Mast auf ,Hood' ein sich schnell ausbreitendes Feuer beobachtet." Die Kampfentfernung beträgt fast 30 Kilometer.

Über Bordlautsprecher gibt die Schiffsführung bekannt: "Gegner brennt." Der Matrosengefreite Georg Herzog stürzt nach oben. "Wie ich an Oberdeck komme, sehe ich Backbord achteraus eine Stichflamme." Über Lautsprecher kommt: "Gegner explodiert." Walter Lorenzen und seine Kameraden von der Leckwehrgruppe bringen ein dreifaches "Hurra" aus. Unterdessen vereinigen die beiden deutschen Schiffe ihr Feuer auf die "Prince of Wales", die "nach sicher beobachteten Treffern beider Schiffe unter Schwarzqualm abdreht und das Gefecht abbricht". Die "Bismarck" hat nur drei Treffer erhalten und zieht eine verräterische Ölspur hinter sich her. "Die allgemeine Begeisterung ist groß", erinnert sich der Matrosengefreite Herbert Mantey von der Schiffsartillerie.

Immer wieder greifen britische Torpedoflugzeuge an, sie können dem Schiff aber nichts anhaben. Der Matrosengefreite Otto Höntzsch bewundert ihre Flugmanöver: "Ich hatte das Gefühl, dass die Engländer mit sehr viel Schneid und Mut alles versuchten, ihre Torpedos ans Ziel zu bringen." "Prinz Eugen" wird entlassen, um auf eigene Faust weiter zu operieren. Durch die Schäden, die die "Bismarck" durch das Feuer der "Hood" erlitten hat, liegt das Vorschiff so tief im Wasser, dass es "an ein U-Boot erinnert", wie Höntzsch nach seiner Rettung zu Protokoll gibt. Trotzdem macht das Schlachtschiff noch stolze 27 Knoten.

London steht nach dem Verlust der "Hood" unter Schock. Sollte es der "Bismarck" gelingen, in den Atlantik durchzubrechen, würde sie allein durch ihr Auftreten auf den dortigen Schifffahrtswegen "eine schwere Beeinträchtigung britischer Seemachtstellung" erreichen, wie Lindemann in seinem KTB notiert. Churchill selbst gibt den Befehl: "Versenkt die ,Bismarck'." Die Royal Navy setzt alle größeren Einheiten, die sie in den Heimatstützpunkten zur Verfügung hat, in Marsch.

Am 25. Mai spricht der Flottenchef zur Besatzung. Der Matrosengefreite Höntzsch erinnert sich an seine Worte: "Wir haben noch einen schweren Kampf mit englischen Seestreitkräften zu bestehen. Wir werden siegen oder sterben." Mutlosigkeit macht sich breit. Dem Matrosengefreiten Otto Maus erscheinen seine Kameraden nach diesen Worten sehr niedergeschlagen: "Der Flottenchef hat so schön gesprochen, sie haben aber seinen Worten entnommen, dass wir schon verloren wären."

Am Morgen des 26. Mai hat die "Bismarck" das Operationsgebiet deutscher U-Boote und Flugzeuge erreicht. Hoffnung kommt auf: "Diese Nachricht löst große Freude aus." Abends gibt es erneut Fliegeralarm. Der Matrosengefreite Höntzsch sieht "vier Staffeln von vier Flugzeugen, die durch die Wolken brechend von allen Seiten angreifen". Die Männer der "Bismarck" wehren sich erbittert. Trotzdem gelingt einer Maschine ein folgenschwerer Torpedotreffer. Der Matrosengefreite Herzog hört über das Bordtelefon: "Ruderanlage unklar, Ruder liegt hart Steuerbord." Später "Schiff fährt im Kreis". Taucher gehen in die überfluteten Räume und kuppeln das Handruder ein. Das Schiff geht wieder auf Marschfahrt. Gegen Mitternacht eröffnen britische Zerstörer das Feuer. Sie können abgewehrt werden.

Das Gefecht dauert bis in die Morgenstunden des 27. Mai. Der Flottenchef verkündet: "Wir schießen bis zur letzten Granate." Der Gegner nutzt die Gefechtspause zur Heranführung weiterer Einheiten. Lorenzen beobachtet "Treffer auf Treffer, die zum größten Teil mittschiffs liegen. Die Schlagseite nach Backbord nimmt immer mehr zu." Gemeinsam mit anderen Seeleuten zerren sie im Granathagel Rettungsflöße aus den Halterungen. Noch immer schießt die eigene Artillerie Salve um Salve. Als die Wogen über dem Oberdeck zusammenschlagen, werden die Männer von Bord gespült.

"Da Treffer um Treffer im Wasser landet, gelingt es uns erst nach 15 Minuten, in das Schlauchboot zu klettern", sagt Manthey später aus. Ihr Schiff sehen die Männer nur noch, wenn eine Welle es hochhebt. Die Aufbauten sind zerstört und stehen in Flammen. Unter Deck aber hämmern noch immer die Maschinen. Auch die Schiffsartillerie feuert unverdrossen weiter, bis die Munition verschossen ist. "Kurz danach sah ich von ,Bismarck' nichts mehr, nur noch eine Rauchfahne." Lorenzen und Maus werden später von einem deutschen Versorgungsschiff aufgenommen.

Admiral Lütjens hadert mit seinem Schicksal. Er will seinen Vorgesetzten Rechenschaft ablegen, sich für sein Handeln verantworten. Das Kriegstagebuch muss gerettet werden. Um 7.10 Uhr setzt die "Bismarck" den letzten Funkspruch ab: "U-Boot senden zum Wahrnehmen des Kriegstagebuches." Bald darauf setzen die gegnerischen Zerstörer zum Fangschuss auf das deutsche Flaggschiff an. Der Kommandant gibt den Befehl zur Selbstversenkung und zum Verlassen des Schiffes. Als U 74 am Abend die Position der "Bismarck" erreicht, ist das Schlachtschiff gesunken. Damit ist auch das Kriegstagebuch verloren. Dann entdecken die U-Boot-Männer ein Floß, darin die entkräfteten Matrosengefreiten Manthey, Herzog und Höntzsch. Es ist eine Rettung in letzter Minute. Gelungen, weil der Flottenchef das Kriegstagebuch der Nachwelt erhalten wollte.

Quelle: Hamburger Abendblatt vom 02.01.2008

Glocke des U-Kreuzers U 139

Marinegeschichten

Von Jan Heitmann


Geräusche, die eine Gefahr ankündigen, konnten auf See auch bei Sturm, Nebel oder Dunkelheit noch am ehesten wahrgenommen werden.

Deshalb waren Tonsignale von Pfeifen, Nebelhörnern oder Glocken lange Zeit in der Schifffahrt weit verbreitet. Schiffsglocken wurden darüber hinaus auch zur Befehlsübermittlung, zur Anzeige des Wachwechsels oder zur Zeitangabe verwendet. Ihr Klang bestimmte des Rhythmus an Bord. Lange wurden Schiffsglocken wie eine Kirchenglocke an einem Querbalken zwischen zwei von einem Rundbogen gekrönten Säulen aufgehängt. Bei den Kirchenglocken schwingen die Glocken selbst und schlagen gegen den Klöppel. An Bord dagegen blieb die Glocke starr und nur der Klöppel bewegte sich. Hier wurde der Klöppel mit dem Glockenstrang gegen den Klangkörper geschlagen, der in der Regel senkrecht hängen blieb. Die Glockenstränge waren meist aufwändig mit Zierknoten gefertigt. Mit dem Schiffsnamen und gelegentlich auch mit Verzierungen versehen, haben Schiffsglocken heute nur noch eine Zierfunktion und symbolischen Wert. Alte Originalglocken sind sehr begehrte Sammlerobjekte. Ganz besonders begehrt sind natürlich die Glocken von berühmten Schiffen und U-Booten.

Der Historiker, Museologe und Auktionator Wilfried Beer aus Witzhave bei Hamburg hat kürzlich in Privatbesitz die Schiffsglocke des Kaiserlichen Unterseekreuzers U 139 entdeckt. Dieses Boot stammt aus einer Baureihe von drei großen U-Booten, die ab August 1916 speziell für den Handelskrieg in Übersee konstruiert wurden. U 139 lief am 3. Dezember 1917 vom Stapel und wurde am 18. Mai 1918 in Dienst gestellt. Anders als bei U-Booten üblich, erhielt es nicht nur eine Nummer, sondern auch eine Bezeichnung. Namensgeber wurde der berühmte, im September 1917 nicht von Feindfahrt zurückgekehrte Kapitänleutnant Walther Schwieger, Träger des Ordens Pour le Mérite. Kommandant von U 139 wurde der hochdekorierte Korvettenkapitän Lothar von Arnauld de la Perière, der als erfolgreichster U-Boot-Kommandant aller Zeiten in die Geschichte einging. Als Kommandant des U-Kreuzer konnte er nur noch eine Feindfahrt machen, bevor der Krieg endete. Dabei war ihm allerdings nur wenig Glück beschieden, so dass das Versenkungsergebnis für ihn sehr unbefriedigend war. Eine Kollision mit einem feindlichen Schiff und der Kriegausgang zwangen ihn schließlich, die Operation abzubrechen und in die Heimat zurückzukehren. Bei dieser Fahrt mit an Bord war auch der an der Entwicklung dieses Bootstyps beteiligte Hans Fechter, der erste deutsche Marineingenieur-Offizier, der den Rang eines Admirals erreichte. U 139 wurde französische Kriegsbeute und blieb noch bis 1935 als HALBRONN in Dienst. Von Arnauld de la Perière machte noch eine glänzende Karriere und wurde in der Kriegsmarine Vizeadmiral, bis ein Flugunfall dem Leben dieses herausragenden Marineoffiziers im Februar 1941 ein Ende setzte.

Die Schiffsglocke des U-Kreuzers U 139 ist aus polierter Bronze und bringt das stolze Gewicht von etwa 50 Kilogramm auf die Waage. Zur Präsentation hängt sie an einer einem U-Boot-Turm nachempfundenen Aufhängung. Diese seltene Glocke steht zum Verkauf. Beer hat noch weitere marinehistorische Objekte im Angebot, darunter eine große Sammlung originaler Kriegstagebücher von teils berühmten Schiffen und Booten der Kaiserlichen Marine und der Kriegsmarine sowie den Nachlass des Kapitäns und Fliegergenerals Friedrich Christiansen, der als Kommandant des Flugbootes Do X weltberühmt wurde.

»Bismarck«-Akten zurück in Deutschland

Marinegeschichten

Von Jan Heitmann


Kriegstagebuch und Protokolle der ersten Aussagen der Überlebenden in London entdeckt.


Beim Überlegen des Schiffes werden viele von uns über Bord gespült. Nach einiger Zeit erreiche ich ein Floß mit etwa 40 bis 50 Kameraden und hänge mich dran. Auf dem Wasser schwimmt viel Öl. Durch das Schlucken von Ölwasser werden viele ohnmächtig und lassen das Floß los.“ Der Matrosengefreite Otto Maus kämpft um sein Leben. Manchmal geht sein Blick zurück zu seinem Schiff, dem Schlachtschiff „Bismarck“. Das deutsche Flaggschiff liegt im Granatfeuer britischer Zerstörer und Schlachtschiffe. Von 400 Volltreffern in ein brennendes Wrack verwandelt, beginnt es langsam über das Heck zu sinken. Der Kommandant, Kapitän zur See Ernst Lindemann, geht zum Bug, nimmt Haltung an und legt die rechte Hand an die Mütze. Dann versinkt sein Schiff mit wehender Flagge und laufenden Maschinen in der Tiefe. Nur 115 Angehörige der 2221 Mann starken Besatzung überleben.


Festgehalten wurde die Tragödie vom 27. Mai 1941 im Kriegstagebuch (KTB) der „Bismarck“, das beim Untergang verlorenging. KTB halten Weisungen und Befehle vorgesetzter Dienststellen, Lagebeurteilungen und Führungsentscheidungen nachvollziehbar fest. Sie werden unmittelbar unter dem Eindruck des Geschehens niedergeschrieben und geben die Ereignisse in chronologischer Reihenfolge wieder. Um der deutschen Marineführung ein Bild von den dramatischen Maitagen zu vermitteln und eine Auswertung des Geschehens zu ermöglichen, wurde das KTB der „Bismarck“ nach den Aussagen von Augenzeugen, Aufzeichnungen, Fernschreiben und Funkmeldungen rekonstruiert. Weiteren Aufschluß über das Geschehen erhielt die Seekriegsleitung durch die Aussagen von fünf überlebenden Seeleuten, die unmittelbar nach deren Rettung protokolliert wurden. Bevor diese Dokumente mehr als 60 Jahre nach Kriegsende wieder nach Deutschland gelangten, hatten sie eine Reise um die halbe Welt hinter sich. Bei Kriegsende fielen alle Marineakten den Siegermächten in die Hände. Zunächst gelangten sie nach Großbritannien und dann in die USA, wo sie gründlich ausgewertet wurden. Anschließend wurden die Akten verfilmt und sukzessive bis Ende der 1970er Jahre an das Bundesarchiv / Militärarchiv übergeben. Vieles blieb jedoch verschollen. Auch die Akten zum Schlachtschiff „Bismarck“ gelangten nur in Fragmenten zurück nach Deutschland. Der Historiker und Museologe Dr. Wilfried Beer aus Witzhave (Kreis Stormarn) hat Teile des KTB der „Bismarck“ und die Protokolle der ersten Aussagen der Überlebenden kürzlich neben weiteren bedeutenden deutschen Marineakten in Privatbesitz in London entdeckt. Diese lange verschollenen Unterlagen geben einen Eindruck von den Geschehnissen an Bord und der menschlichen Tragödie.


Das Schlachtschiff „Bismarck“ war der Stolz der deutschen Kriegsmarine. Gebaut, um die Obergrenzen des deutsch-britischen Flottenabkommens von 1935 auszunutzen, prädestinierten ihr Fahrbereich von über 9000 Seemeilen, ihre schwere Bewaffnung, die massive Panzerung und die hohe Geschwindigkeit von 30 Knoten die 251 Meter lange, bei Blohm & Voss in Hamburg gebaute „Bismarck“ für den Einsatz gegen Nachschubkonvois und gegnerische Einheiten im Nordatlantik.


Am 18. Mai 1941 läuft die „Bismarck“ von Gotenhafen zu ihrer ersten Unternehmung in den Nordatlantik aus. Gemeinsam mit dem Schweren Kreuzer „Prinz Eugen“ soll sie hier Handelskrieg führen. Die Operation steht unter der Führung des Flottenchefs, Admiral Günther Lütjens, der sich mit seinem Stab eingeschifft hat.


23. Mai 1941, 19.22 Uhr. „Alarm. In Richtung 340° ein Schatten.“ Kurz darauf kommt es in der Dänemarkstraße zum ersten Gefecht: „Der fühlungshaltende Kreuzer eröffnet Feuer auf ,Prinz Eugen‘.“ Die deutschen Schiffe nebeln sich ein und lösen sich vom Feind. Kapitän zur See Lindemann vermutet ein zufälliges Zusammentreffen. In sein KTB notiert er: „Operativer Einsatz feindlicher Seestreitkräfte bisher nicht erkennbar geworden.“


In den frühen Morgenstunden des 24. Mai heißt es erneut: „Alarm. Kreuzer kommt von achtern auf.“ Um 5.43 Uhr notiert Lindemann für das KTB: „Weitere Einheit an Backbord. Später als ,Hood‘ festgestellt.“ Und sieben Minuten später: „,Hood‘ und ,Prince of Wales‘ vereinigen sich und laufen mit Höchstfahrt in sehr spitzer Lage auf den Verband zu. Feuer eröffnen durch ,Hood‘ und ,Prince of Wales‘. Feuer eröffnen auf ,Hood‘. Feuervereinigung mit ,Prinz Eugen‘ auf das gleiche Ziel. In Höhe vor dem achteren Mast auf ,Hood‘ ein sich schnell ausbreitendes Feuer beobachtet.“ Die Kampfentfernung beträgt fast 30 Kilometer. Über Bordlautsprecher gibt die Schiffsführung bekannt: „Gegner brennt.“ Der Matrosengefreite Georg Herzog stürzt nach oben. „Wie ich an Oberdeck komme, sehe ich Backbord achteraus eine Stichflamme.“ Über Lautsprecher kommt „Gegner explodiert.“ „Außerordentlich starke Detonation auf ,Hood‘. Hohe Säule von Eisenteilen wird sichtbar. Eine schwere schwarze Rauchwolke hüllt das Schiff ein, das schnell über das Heck absinkt und sich dabei um 180° dreht. Somit ist der Schlachtkreuzer ,Hood‘ 5 Minuten nach Gefechtsbeginn im Artilleriekampf vernichtet.“ So lapidar liest sich in der nüchternen Sprache des KTB der Untergang des seinerzeit größten Kriegsschiffes der Welt. Es reißt 1416 Mann Besatzung mit sich in die Fluten. Nur drei von ihnen überleben.



Walter Lorenzen und seine Kameraden von der Leckwehrgruppe bringen ein dreifaches „Hurra“ aus. „Es herrscht eine freudige Stimmung“, erinnert er sich später. Unterdessen vereinigen die beiden deutschen Schiffe ihr Feuer auf die „Prince of Wales“, die „nach sicher beobachteten Treffern beider Schiffe unter Schwarzqualm abdreht und das Gefecht abbricht“. Schlachtschiff „Bismarck“ hat lediglich drei Treffer erhalten. Sie zieht eine verräterische Ölspur hinter sich her. „Die allgemeine Begeisterung ist groß“, erinnert sich der Matrosengefreite Herbert Mantey von der Schiffsartillerie.


Immer wieder greifen britische Torpedoflugzeuge an, sie können dem riesigen Schiff aber nichts anhaben. Der Matrosengefreite Otto Höntzsch, eingesetzt an einem leichten Flugabwehrgeschütz, bewundert ihre waghalsigen Flugmanöver: „Ich hatte das Gefühl, daß die Engländer mit sehr viel Schneid und Mut alles versuchten, ihre Torpedos ans Ziel zu bringen.“ „Prinz Eugen“ wird entlassen, um auf eigene Faust weiter zu operieren. Durch die Schäden, welche die „Bismarck“ durch das Feuer der „Hood“ erlitten hat, liegt das Vorschiff so tief im Wasser, daß es „an ein U-Boot erinnert“, wie Höntzsch nach seiner Rettung zu Protokoll gibt. Trotzdem macht das Schlachtschiff noch stolze 27 Knoten.


London steht nach dem Verlust der „Hood“ unter Schock. Sollte es der „Bismarck“ gelingen, in den Atlantik durchzubrechen, würde sie allein durch ihr Auftreten auf den dortigen Schiffahrtswegen „eine schwere Beeinträchtigung britischer Seemachtstellung“ erreichen, wie Lindemann in seinem KTB notiert. Winston Churchill selbst gibt den Befehl: „Versenkt die ,Bismarck.‘“ Die Royal Navy setzt alle größeren Einheiten, die sie in den Heimatstützpunkten zur Verfügung hat, gegen den angeschlagenen Gegner in Marsch.


Am nächsten Morgen, dem 25. Mai, spricht der Flottenchef zur Besatzung. Der Matrosengefreite Höntzsch erinnert sich an seine Worte: „Wir haben noch einen schweren Kampf mit englischen Seestreitkräften zu bestehen. Wir werden siegen oder sterben.“ Mutlosigkeit macht sich breit. Dem Matrosengefreiten Otto Maus erscheinen seine Kameraden nach diesen Worten sehr niedergeschlagen: „Der Flottenchef hat so schön gesprochen, sie haben aber seinen Worten entnommen, daß wir schon verloren wären.“ Auch der Matrosengefreite Lorenzen spürt die Niedergeschlagenheit: „Da vor der Rede die Stimmung der Besatzung sehr gut und zuversichtlich war, herrscht allgemein die Ansicht, daß es besser gewesen wäre, wenn man über die Lage des Schiffes nichts bekanntgegeben hätte.“


Der Gegner bleibt dran. Immer wieder wird das Schlachtschiff von Flugzeugen angeflogen, die Position und Kurs an die Home Fleet melden. Am Morgen des 26. Mai hat die „Bismarck“ das Operationsgebiet deutscher U-Boote und Flugzeuge erreicht. Hoffnung kommt auf: „Diese Nachricht löst große Freude aus.“ Abends gibt es erneut Fliegeralarm. Der Matrosengefreite Höntzsch sieht „vier Staffeln von vier Flugzeugen, die durch die Wolken brechend von allen Seiten angreifen“. Die Männer der „Bismarck“ wehren sich erbittert. Trotzdem gelingt einer Maschine ein folgenschwerer Torpedotreffer. Eine Erschütterung geht durch das Schiff. Der Matrosengefreite Herzog hört über das Bordtelefon: „Ruderanlage unklar, Ruder liegt hart Steuerbord.“ Später „Schiff fährt im Kreis.“ Taucher gehen in die überfluteten Räume und kuppeln das Handruder ein. Das Schiff geht wieder auf Marschfahrt. Gegen Mitternacht eröffnen britische Zerstörer das Feuer. Sie können abgewehrt werden. Das Gefecht dauert bis in die Morgenstunden des 27. Mai.


Zwischen dem Kommandanten und seinem Admiral kommt es immer wieder zu Diskussionen über das weitere Vorgehen. Das Schlachtschiff könnte Kurs auf die rettende französische Küste nehmen. Auch könnte man versuchen, dem Gegner zu entkommen und die Schäden auf See mit Bordmitteln zu beheben und dann den Auftrag fortzusetzen. Doch das, was Kapitän zur See Lindemann aus taktischer Sicht zur Rettung seines Schiffes vorschlägt, stößt bei Admiral Lütjens, der die Lage vom übergeordneten operativ-strategischen Standpunkt aus betrachtet, auf Ablehnung. Die Möglichkeit, den Gegner um Einstellung des Feuers und Rettung der deutschen Seeleute zu bitten und dann die „Bismarck“ selbst zu versenken, kommt für beide nicht in Betracht. Ein solches zweckrationales militärisches Handeln steht in krassem Gegensatz zur Tradition und dem Ehrbegriff der Marine. Heute, weit von den Ereignissen und der damals herrschenden Denkweise entfernt und mit den Maßstäben der Gegenwart gemessen, erscheint dieses Verhalten unverständlich. Wie alle Seeoffiziere ihrer Zeit sind Lütjens und Lindemann jedoch dazu erzogen, sich auch in aussichtsloser Lage niemals zu ergeben, sondern ruhmreich unterzugehen. Eine Kapitulation gilt in allen Marinen als schmähliches Versagen und unehrenhaftes Verhalten. Der Flottenchef verkündet der Besatzung: „Wir schießen bis zur letzten Granate.“



Der Gegner nutzt die Gefechtspause zur Heranführung weiterer Einheiten. Innerhalb von nur 90 Minuten feuern sie 3000 Granaten auf die „Bismarck“. „Die feindlichen Zerstörer kommen so nah, daß wir sogar die Leute an Bord sehen können.“ Der Matrosengefreite Manthey „hat den Eindruck, daß von allen Seiten auf uns geschossen wird“. Sein Kamerad Herzog sieht „Splitter und Schiffsteile umherfliegen“ und geht in Deckung. Lorenzen beobachtet „Treffer auf Treffer, die zum größten Teil mittschiffs liegen. Die Schlagseite nach Backbord nimmt immer mehr zu.“ Gemeinsam mit anderen Seeleuten zerren sie im Granathagel Rettungsflöße aus den Halterungen. Noch immer schießt die eigene Artillerie Salve um Salve. Als die Wogen über dem Oberdeck zusammenschlagen, werden die Männer von Bord gespült.


„Da Treffer um Treffer im Wasser landet, gelingt es uns erst nach 15 Minuten, in das Schlauchboot zu klettern“, sagt Manthey später aus. Ihr Schiff sehen die Männer nur noch, wenn sie eine Welle hochhebt. Die Aufbauten sind zerstört und stehen in Flammen. Unter Deck dagegen hämmern noch immer die Maschinen und laufen die Aggregate. Auch die Schiffsartillerie feuert unverdrossen weiter, bis die Munition verschossen ist. „Es kommt mir so vor, als hätte das Schiff wieder Fahrt gemacht. Kurz danach sehe ich von ,Bismarck‘ nichts mehr, nur noch eine Rauchfahne.“ Lorenzen und Maus retten sich in ein anderes Floß. Sie treiben schnell achteraus und werden später von einem deutschen Versorgungsschiff aufgenommen.


Admiral Lütjens hadert mit seinem Schicksal. Der Flottenchef will seinen Vorgesetzten Rechenschaft ablegen, sich vor dem deutschen Volk und der Geschichte für sein Handeln verantworten. Das Kriegstagebuch muß gerettet werden. Um 7.10 Uhr setzt die „Bismarck“ ihren letzten Funkspruch ab: „U-Boot senden zum Wahrnehmen des Kriegstagebuches.“ Bald darauf setzen die gegnerischen Zerstörer zum Fangschuß auf das deutsche Flaggschiff an. Der Kommandant gibt den Befehl zur Selbstversenkung und zum Verlassen des Schiffes.


Als U 74 am Abend die Position der „Bismarck“ erreicht, ist das Schlachtschiff bereits gesunken. Damit ist auch das Kriegstagebuch verloren. Die Wasseroberfläche ist von Wrackteilen übersät, dazwischen zahllose Tote. Nach einiger Zeit entdecken die U-Boot-Männer ein Floß. Darin die vollkommen entkräfteten Matrosengefreiten Manthey, Herzog und Höntzsch. Es ist eine Rettung in letzter Minute. Gelungen, weil der Flottenchef das Kriegstagebuch der Nachwelt erhalten wollte. 100 Überlebende der „Bismarck“ werden von britischen Schiffen gerettet, bevor diese sich wegen der U-Boot-Gefahr von der Untergangsstelle zurückziehen.

Ein Dokument im Dunkeln

Von Stephan Alfter


Am 20. April 1933 machte die Gemeinde Ungstein Adolf Hitler zu dessen 44. Geburtstag zum Ehrenbürger.

Wie etwa 4000 weitere Städte und Gemeinden zur Zeit des Dritten Reichs. Gerade ist die Verleihungsurkunde in einem Internet-Auktionshaus aufgetaucht – und die Frage, ob Hitler immer noch Ungsteiner Ehrenbürger ist. Eine Spurensuche.


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