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»Bismarck«-Akten

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Foto: pastbuy.net
Marinegeschichten
»Bismarck«-Akten zurück in Deutschland
Von Jan Heitmann
Kriegstagebuch und Protokolle der ersten Aussagen der Überlebenden in London entdeckt.

Beim Überlegen des Schiffes werden viele von uns über Bord gespült. Nach einiger Zeit erreiche ich ein Floß mit etwa 40 bis 50 Kameraden und hänge mich dran. Auf dem Wasser schwimmt viel Öl. Durch das Schlucken von Ölwasser werden viele ohnmächtig und lassen das Floß los.“ Der Matrosengefreite Otto Maus kämpft um sein Leben. Manchmal geht sein Blick zurück zu seinem Schiff, dem Schlachtschiff „Bismarck“. Das deutsche Flaggschiff liegt im Granatfeuer britischer Zerstörer und Schlachtschiffe. Von 400 Volltreffern in ein brennendes Wrack verwandelt, beginnt es langsam über das Heck zu sinken. Der Kommandant, Kapitän zur See Ernst Lindemann, geht zum Bug, nimmt Haltung an und legt die rechte Hand an die Mütze. Dann versinkt sein Schiff mit wehender Flagge und laufenden Maschinen in der Tiefe. Nur 115 Angehörige der 2221 Mann starken Besatzung überleben.

Festgehalten wurde die Tragödie vom 27. Mai 1941 im Kriegstagebuch (KTB) der „Bismarck“, das beim Untergang verlorenging. KTB halten Weisungen und Befehle vorgesetzter Dienststellen, Lagebeurteilungen und Führungsentscheidungen nachvollziehbar fest. Sie werden unmittelbar unter dem Eindruck des Geschehens niedergeschrieben und geben die Ereignisse in chronologischer Reihenfolge wieder. Um der deutschen Marineführung ein Bild von den dramatischen Maitagen zu vermitteln und eine Auswertung des Geschehens zu ermöglichen, wurde das KTB der „Bismarck“ nach den Aussagen von Augenzeugen, Aufzeichnungen, Fernschreiben und Funkmeldungen rekonstruiert. Weiteren Aufschluß über das Geschehen erhielt die Seekriegsleitung durch die Aussagen von fünf überlebenden Seeleuten, die unmittelbar nach deren Rettung protokolliert wurden. Bevor diese Dokumente mehr als 60 Jahre nach Kriegsende wieder nach Deutschland gelangten, hatten sie eine Reise um die halbe Welt hinter sich. Bei Kriegsende fielen alle Marineakten den Siegermächten in die Hände. Zunächst gelangten sie nach Großbritannien und dann in die USA, wo sie gründlich ausgewertet wurden. Anschließend wurden die Akten verfilmt und sukzessive bis Ende der 1970er Jahre an das Bundesarchiv / Militärarchiv übergeben. Vieles blieb jedoch verschollen. Auch die Akten zum Schlachtschiff „Bismarck“ gelangten nur in Fragmenten zurück nach Deutschland. Der Historiker und Museologe Dr. Wilfried Beer aus Witzhave (Kreis Stormarn) hat Teile des KTB der „Bismarck“ und die Protokolle der ersten Aussagen der Überlebenden kürzlich neben weiteren bedeutenden deutschen Marineakten in Privatbesitz in London entdeckt. Diese lange verschollenen Unterlagen geben einen Eindruck von den Geschehnissen an Bord und der menschlichen Tragödie.

Das Schlachtschiff „Bismarck“ war der Stolz der deutschen Kriegsmarine. Gebaut, um die Obergrenzen des deutsch-britischen Flottenabkommens von 1935 auszunutzen, prädestinierten ihr Fahrbereich von über 9000 Seemeilen, ihre schwere Bewaffnung, die massive Panzerung und die hohe Geschwindigkeit von 30 Knoten die 251 Meter lange, bei Blohm & Voss in Hamburg gebaute „Bismarck“ für den Einsatz gegen Nachschubkonvois und gegnerische Einheiten im Nordatlantik.

Am 18. Mai 1941 läuft die „Bismarck“ von Gotenhafen zu ihrer ersten Unternehmung in den Nordatlantik aus. Gemeinsam mit dem Schweren Kreuzer „Prinz Eugen“ soll sie hier Handelskrieg führen. Die Operation steht unter der Führung des Flottenchefs, Admiral Günther Lütjens, der sich mit seinem Stab eingeschifft hat.

23. Mai 1941, 19.22 Uhr. „Alarm. In Richtung 340° ein Schatten.“ Kurz darauf kommt es in der Dänemarkstraße zum ersten Gefecht: „Der fühlungshaltende Kreuzer eröffnet Feuer auf ,Prinz Eugen‘.“ Die deutschen Schiffe nebeln sich ein und lösen sich vom Feind. Kapitän zur See Lindemann vermutet ein zufälliges Zusammentreffen. In sein KTB notiert er: „Operativer Einsatz feindlicher Seestreitkräfte bisher nicht erkennbar geworden.“

In den frühen Morgenstunden des 24. Mai heißt es erneut: „Alarm. Kreuzer kommt von achtern auf.“ Um 5.43 Uhr notiert Lindemann für das KTB: „Weitere Einheit an Backbord. Später als ,Hood‘ festgestellt.“ Und sieben Minuten später: „,Hood‘ und ,Prince of Wales‘ vereinigen sich und laufen mit Höchstfahrt in sehr spitzer Lage auf den Verband zu. Feuer eröffnen durch ,Hood‘ und ,Prince of Wales‘. Feuer eröffnen auf ,Hood‘. Feuervereinigung mit ,Prinz Eugen‘ auf das gleiche Ziel. In Höhe vor dem achteren Mast auf ,Hood‘ ein sich schnell ausbreitendes Feuer beobachtet.“ Die Kampfentfernung beträgt fast 30 Kilometer. Über Bordlautsprecher gibt die Schiffsführung bekannt: „Gegner brennt.“ Der Matrosengefreite Georg Herzog stürzt nach oben. „Wie ich an Oberdeck komme, sehe ich Backbord achteraus eine Stichflamme.“ Über Lautsprecher kommt „Gegner explodiert.“ „Außerordentlich starke Detonation auf ,Hood‘. Hohe Säule von Eisenteilen wird sichtbar. Eine schwere schwarze Rauchwolke hüllt das Schiff ein, das schnell über das Heck absinkt und sich dabei um 180° dreht. Somit ist der Schlachtkreuzer ,Hood‘ 5 Minuten nach Gefechtsbeginn im Artilleriekampf vernichtet.“ So lapidar liest sich in der nüchternen Sprache des KTB der Untergang des seinerzeit größten Kriegsschiffes der Welt. Es reißt 1416 Mann Besatzung mit sich in die Fluten. Nur drei von ihnen überleben.

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